Ich, Mörder: I, Murderer Translation by Lisell Goy

Ich, Mörder
I, Murderer Translation

by Lisell Goy

Grab mein Grab

Willst du mein Grab mir graben
Musst du einen Silberlöffel haben,
Und willst mich dann hinunter betten,
Nimm dazu goldne Ketten.

Janies Spatz

Du hast ihn doch gehalten,
Er starb in deiner Hand.
Er zuckt an deinem Finger.
Liebste, hör mich an:
Dem kleinen Spatz, dem zürn ich,
Er piepst so lieb und bang,
Du fingst zu weinen an.

Er kam, kam aus dem Dunkel
Und flog dahin zurück.
Wohin, wer mag es sagen,
Wer weiss, woher er kam,
Aus unsren wüsten Kneipen,
Wo für Gefallene ein Lichtlein brennt?
Vorsehung liegt da auf der Hand.

Wart ein wenig, Janie,
Lass mich noch nicht gehn.
Es ist nur ein gefallner Spatz,
Versuch mich zu verstehn.
Wohin willst du, mein Schatz?
Schatz, kannst du das nicht sehn?
Ach, lass mich noch nicht gehn.
Ach, lass mich noch nicht gehn.

Wenn’s an mein Sterben geht
(traditional)

Wenn’s an mein Sterben geht,
Weint euch nicht die Augen aus.
Nur eines wünsch ich mir,
Bringt mich nach Haus,
Damit ich leichter sterben kann.
Jesus macht mein Sterbebett.

Find mich, Jesus, find mich
In der luft’gen Höh.
Wenn diese Flügel mir versagen,
Bitt ich, ein neues Paar mir herzutragen,
Damit ich leichter sterben kann.
Jesus macht mein Sterbebett.

Wenn’s an mein Sterben geht,
Soll niemand um mich weinen.
Nur eines wünsch ich mir,
Wenn ich sterb, nimm mich dann,
Damit ich leichter sterben kann.
Jesus macht mein Sterbebett.

Ich, Boxer

Auf, auf! Der Himmel wie ein Seiher über diesem Berg.
Der Morgenstern geht auf. Ich kann nicht halten seinen Lauf.

Was macht’s schon aus? Sah Christus jemals eine Existenz wie mich?
Bin Stromer auf der asphaltierten Strasse, der einsamsten ganz sicherlich.

Ich kenn sie nicht, die unsichtbare Macht, die sich zusammenschliesst da draussen in der Nacht.
Es ist ihr Ziel, das sie mir sichtbar macht.

Der Ring: ein Feld in Kansas, fruchtbar, tief und breit.
Mit dem, wovon ich noch nicht weiss, ich brauch es morgen, wird es mich gut versorgen.

Er dreht sich um, lässt seine Hüllen fallen. ‚Jungfrau Maria’ ist auf seinem Rücken tätowiert.
Ich bin erkoren. Zum Streit er sich postiert.

Ich kenn sie nicht, die unsichtbare Macht, die sich zusammenschliesst da draussen in der Nacht,
Es ist ihr Ziel, das sie mir sichtbar macht.

„O dies beschissne Leben,“sagtest du. „Zusammenhalten kannst du nicht, was auseinander strebt.“
Hesperus zürnte. In deinem Herz ein einzger Abgrund lebt.

Die fruchtbarste Erde auf Erden ist, Lieb, ein dunkler und schwerer Stoff.
Ich leg meine Lippen auf deine, auf deine Lippen wie Moos.

Kopf an Kopf fallen Heere tötender Engel bei dir ein.
Sie überwinden die finstere Nacht und lassen an ihrer Statt Licht herein.

Eines Tages, das weiss ich wohl, wird Liebe sich zusammentun und wird nicht länger ruhn,
bis sie zerstört das Heer der Nacht. Es ist ihr Ziel, das sie uns kenntlich macht.

MOZITA

In deinem Leib aus Schweiss, salzig und wund,
Steigt Unheil auf, geht Unheil zugrund.
Du geisselst das Fleisch von denen, die für dich Schlange stehn,
Ich denk, du findest das schön.

Ich bitt dich, Liebster, musst nicht traurig sein, flüsterst du mir ins Ohr.

In deinem Leib aus Schweiss, salzig und wund,
Mozita, der leidvollen, zoll ich Verehrung.

Liebling, nimm aus zerbrochnen Händen nun dies Herz, dein ist die Wunde, dein der Schmerz.
Liebling, halt zusammen, was geschieden war, immerdar.

Du sagtest, lieb nicht die, die dich nicht lieben.
Du sagstetst, die dich lieben, lieb auch nicht.
Für alle Missetaten musst du zahlen; für die, die du begangen, nicht,
Für die, die man dir angetan, wirst du gericht’.

Ich bitt dich, Liebster, musst nicht traurig sein, flüsterst du mir ins Ohr.

Du sagtest, lieb nicht die, die dich nicht lieben.
Mozita, schändlich bricht sie das Tabu in drei.

Liebling, nimm aus zerbrochnen Händen nun dies Herz, dein ist die Wunde, dein der Schmerz,
Liebling halt zusammen, was geschieden war, immerdar.

Auf einer Säule aus Luft steigen wir beide empor,
Wir schweben in des Himmels Kühle.
Am Ende des Tages eins mit dem andern zusammen,
Bis eines von uns muss von dannen.

Ich bitt dich, Liebste, musst nicht traurig sein, flüstert’ ich dir ins Ohr.

Auf einer Säule aus Luft steigen wir beide empor.
Der Tugendwächter hütet des Lasters Tor.

Liebling, nimm aus zerbrochnen Händen nun dies Herz, dein ist die Wunde, dein der Schmerz.
Liebling, halt zusammen, was geschieden war, immerdar.

Leviathan

Da geh ich hin, den Kopf gesenkt,
Erinnre mich des Traumes, den sie mir geschenkt.
Sie träumte einen Traum, der aus der Tiefe kam,
Dass alles was ich tu und je getan,
In meiner Haut geschrieben steht, Leviathan.

Im Mondschein wär ich sorgenfrei,
Hätt ich die Lederstiefel mit dabei.
Doch wie das Pferd aus Troja, dieser mächtge Trug,
Um die da drinnen war’s getan.
Jetzt steht’s auf meiner Haut, Leviathan

Puff diese Haut. Mein Leib spricht, Oh oh oh.
Puff diese Haut. Mein Leib ruft Leviathan

Jedes Lied, das ich gesungen,
Jeder Trommelschlag, der mir gelungen,
Jedes Wort gesehen oder je gehört,
Was ich gesprochen oder das, was nicht nach aussen drang,
Es steht auf meiner Haut, Leviathan.

Ich, Mörder

Vergangen, ja vergangen.
Putz deiner Suessen von den Schuhn den Dreck,
Lüpf ihr Fischgrätenmuster-Kleidchen
Leg deinen Mund auf ihren braunen Fleck.

Altes Hündchen, altes Hündchen,
Dir zu Füssen liegt es treu.
Fass sein Maul, schau ihm ins Aug,
Wild und warm und frei.

Trommeln und Trompeten spieln für dich und mich.
Engel, spielt uns auf im Chor,
Doch die hab’n was Bessres vor.

Kinder, Kinder,
Uns tröstet so ein Stein.
Kinder legt euch nieder,
Ihr seid nicht allein.

Töchter, Töchter,
Da hat’s Engel nahebei.
Hört die Trompeten blasen,
Hört ihre Ehren-Litanei.

Engel, Engel,
Stellt euch hinter euren Söhnen auf,
Schenkt ihnen was vom himmlischen Klang,
Schlagt auf die schönste Trommel drauf.
Trommeln und Trompeten spieln für dich und mich.
Engel, spielt uns auf im Chor,
Doch die hab’n was Bessres vor.

Wie

Wir stimmten’s an das Wutgeheul
Jaulend über diesen Hang
Fiel es her
Die Steine windgepeitscht
Heulten und weinten sehr
Die Erde stöhnte laut
Wie?
Ast und Zweig
Esche und Weid
Wogten zum Klang
Der ganze Wald schwang
Zu unserm Gesang
Doch jetzt weiss ich nie
Wie

Einst trugt ihr Flügel
Silberne Flügel
Die hielten dich ungebunden
Doch von dir fern
Vom Himmel geschunden
Fielen sie nieder
Wie?
Sammle und nimm
Feder und Kiel
In deine Hand
Füg Gewobnes und Weben
Zu einer Kron
Jetzt weiss ich nie
Wie

Ich, Wüste

In der lieben öden Wüste kniest du,
Legst meinen Staub untern Stein.
Ich bleib im Pinienschatten.
Verweil, dann bin ich nicht allein.

Nun welken die Blüten fahl dahin,
Champagner trocknet im Sand.
Meine Bürde hab ich abgelegt
Mit der letzten Wärme aus meiner Hand.

Geh jetzt den Weg zur Strasse zurück,
Zum Abschied ruft dieser Ort.
Geh aus der lieben öden Wüste,
Aus meinem Wüstenherz geh fort.

Ich stell mich dem Streit

Überm Land eine Flut
Wie das Wasser, das du hielst.
Vor dir auf den Knien
Aus deinen Händen trank ich den Trank.

In der Luft ein Speer,
Wie Liebesklage
Aus einem alten irischen Psalm
Klingts mir im Kopf.

Doch ich bind mir ans Herz die Worte, die flügge sind.
Blick dann gradeaus. Du weisst, ich stell mich dem Streit.

Eine Stimme, ungeschmückt,
Wie ein Dorn am Weinstock
Betritt sie dein fleischliches Heim,
Blutblutig und schwarz.

Ein Traum, schonungslos
Wie ein Falke im Stoss,
Mich hat er zum Ziel,
Im Dunkel mich im Visier.

Doch ich bind mir ans Herz die Worte, die flügge sind.
Blick dann gradeaus. Du weisst, ich stell mich dem Streit.

In der Flut das Salz,
Scharf, wie was dich verletzt,
Stieg es aus deinem Herzen in deine Kehle auf,
Doch blieb es in deinem Mund.

Ein Teilchen Asche
Wie gebrochnes Wort.
Gebrochnes Wort,
Zerrissen, entzwei.

Doch ich bind mir ans Herz die Worte, die flügge sind.
Blick dann gradeaus. Du weisst, ich stell mich dem Streit.

Copyright by Lisell Goy